Das Venedig des Nordens

Henningsvaer

Das Fischerdorf Henningsvaer

Montag – 27. Juni: Auf meiner ersten richtigen Etappe – gestern war ja nur ein kleiner Aufgalopp – bin ich direkt in die Vollen gegangen und viel weiter gefahren, als ursprünglich geplant. Aber Beine und Wetter waren gut. Alles lief wunderbar, bis ich ganz am Ende dann doch noch einen Fehler gemacht habe.

 

 

Aber von vorn: Nach einer einigermaßen erholsamen ersten Nacht im neuen Zelt habe ich den Tag erst mal mit einem Frühstück im Freien mit Meerblick begonnen. Dann ging es ein paar Kilometer an der Küste entlang bis zum Abzweig zum kleinen Fischerdorf Nusfjord. Dorthin wollte ich, weil es zum einen sehr schön ist, zum anderen aber fährt von dort nach Ballstad auf der Nachbarinsel auch eine Fahrrad-Fähre, die ich am Vorabend per Telefon bestellt hatte. Mit ihr kann man dem knapp zwei Kilometer langen Nappstraumtunnel ausweichen, durch den die Hauptstraße der Lofoten nach Norden führt.

Die Nappzinnen

Die Nappzinnen

Die Strecke nach Nusfjord brachte direkt die erste ernstzunehmende Bergwertung des Tages aber auch einen herrlichen Blick auf die Nappzinnen, eine schneebedeckte Gipfelkette, unter der die Straße entlangführt. Vorbei an einem blau-grünen See und durch eine kleine Schlucht kommt man schließlich nach Nusfjord. Alleine ist man dort um diese Jahreszeit allerdings nicht. Ganze Busladungen von Touristen strömen jeden Tag durch den Ort. Die 50 Kronen Eintritt (ca. 6 Euro), die jeder Besucher bezahlen muss, bevor er nach Nusfjord hinein darf, wurden mir als Fahrradfahrer freundlicherweise erlassen.

Das Hafenbecken von Nusfjord

Das Hafenbecken von Nusfjord

Bevor mein Boot kam, hatte ich noch Zeit mir das Fischerdorf, das im Grunde nur aus einem kleinen Hafenbecken mit Boothäusern besteht, anzusehen. Einige der Boothäuser (norwegisch: Rorbuer) kann man als Ferienzimmer mieten, in einem anderen ist eine alte Trankocherei noch vollständig erhalten. Lustig ist übrigens, wie schnell man mit anderen Leuten in Kontakt kommt, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist und dabei noch einen mit einem vermeintlich zentnerschweren Sack bepackten Anhänger hinter sich herzieht. Das scheint Fragen geradezu herauszufordern. Und natürlich trifft man auf jede Menge anderer Radtouristen. So habe ich in Nusfjord mit einem älteren Herrn aus Hamburg gesprochen – ich habe ihn nicht nach seinem Namen gefragt, aber nennen wir ihn Paul. Paul war schon seit sechs Wochen unterwegs und kam gerade vom Nordkapp, sodass er einige vielleicht später noch wertvolle Tipps für mich hatte.

Blick auf die Nachbarinsel Austvagøy

Blick auf die Nachbarinsel Austvagøy

In Ballstad auf der Lofoteninsel Vestvagøy angekommen ging es nach Leknes zur Hauptstraße und von dort direkt wieder auf eine Nebenstrecke, die südlich um die Insel herumführt. Ein knackiger Anstieg biss mir in die Oberschenkel, die anschließende steile Abfahrt, die fast noch ätzender war, hat meine Handballen ziemlich beansprucht. Vom vielen Bremsen hätte ich tatsächlich fast Krämpfe bekommen. Danach ging es auf der Küstenstraße mehr oder weniger flach und mit tollen Ausblicken weiter. Schon bald hatte ich den Brustranda Campingplatz, mein eigentlich vorgesehenes Tagesziel, erreicht. Da es aber erst 14 Uhr war, entschloss ich mich noch weiter nach Henningsvær zu fahren, das man auch das “Venedig des Nordens” nennt und das in der Kabeljausaison von Januar bis April Hauptstandort der letzten Lofotfischer ist.

Fischsuppe am Hafen

Wenigstens die Fischsuppe am Hafen war gut...

Im Nachhinein war das vielleicht ein Fehler. Die Straße, die über zwei weitere Spannbetonbrücken führte, von denen die zweite ordentlich in die Schenkel gebissen hat, wurde am Ende immer hügeliger. Besonders der ca. acht Kilometer lange Abzweig nach Henningsvær hatte es in sich. Ich hätte ihn nicht nehmen sollen – direkt davor war ein schöner Campingplatz, den mir übrigens auch Paul empfohlen hatte. Höhepunkt der extrem welligen Strecke waren zwei steile, einspurige Brücken, vor denen ich jeweils an einer roten Ampel den Gegenverkehr abwarten musste, um sie dann ohne mitgebrachten Schwung zu überfahren. Morgen muss ich den ganzen Quatsch dann wieder zurückstrampeln… Noch dazu gab es in Henningsvær wider Erwarten keinen Campingplatz und wegen der Touristensaison auch kaum ein Zimmer. Erst ganz am Ende des Orts wurde ich fündig.

Jetzt wohne ich für eine Nacht im Hotel und werde hier gleich wohl wie ein Stein ins Bett fallen. Denn immerhin sind mein Rennrad, der Anhänger und ich heute 95 Kilometer weit geradelt…

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5 Antworten auf Das Venedig des Nordens

  1. arne sagt:

    hoppala, was eine Etappe. Aber bei schönem Wetter geht’s? Ist das alles super, Zini!

  2. Mari sagt:

    Det høres kjempefint ut! Vi sitter her på Smøla og heier på deg :-) Gleder oss til flere bilder. Stor klæm fra fanklubben!

  3. sabine sagt:

    ich bin auch schwer beeindruckt – von deinem pensum und den schönen fotos! freue mich schon auf dein nächstes stück….

  4. Nicole Scherschun sagt:

    …und dann haste auch noch Zeit für Blog-Einträge. Respekt, Respekt! Die Bilder sind grandios! Und sogar eines mit Schafen ist dabei…genial! :-) Gute Weiterfahrt!!!

  5. Paul sagt:

    Wirklich Super! Gefaellt mir sehr! Wo ist der Like Button fuer Facebook?

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